Neuen Wohnraum schaffen und innerörtliche Flächen sinnvoll entwickeln: Darum ging es beim Workshop des TrafO – Zentrum für Transformation und Change-Management Oberfranken, einem Projekt von Oberfranken Offensiv e.V., am 13. Oktober 2026 im Nordwald Space in Nordhalben. Drei Experten informierten Vertreterinnen und Vertreter aus zwölf Kommunen sowie weitere Interessierte über baurechtliche Fragen und die Wohnbedürfnisse von Tiny-House-Interessierten und stellten Projekte aus der Praxis vor.
Der Markt Nordhalben möchte moderne und zukunftsfähige Wohnangebote aktiv voranbringen und ist mit dem Wunsch auf das TrafO zugekommen, das Thema „Tiny Houses“ intensiver zu beleuchten. Tiny Houses sind kompakte, flexible Wohnhäuser, die versetzbar sein können und deutlich weniger Grundfläche brauchen als ein klassisches Eigenheim. Sie können eine Möglichkeit sein, neue Wohnangebote zu schaffen und brachliegende innerörtliche Flächen zu nutzen.
Frank Ebert, Geschäftsführer von Oberfranken Offensiv: „Nordhalben ist mit dem Thema Tiny Houses auf uns zugekommen. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung ist einiges zu klären. Genau dafür haben wir Fachleute und Beispiele zusammengebracht, damit unsere oberfränkischen Kommunen Ideen für den eigenen Ort mitnehmen können.“ Gefördert wird das TrafO durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Die oberfränkischen Kommunen sollen mit ihren Herausforderungen nicht allein bleiben und von Lösungen profitieren, die andernorts bereits funktionieren. Viele stehen vor ähnlichen Fragen. Das TrafO bringt dazu Fachleute und Beteiligte miteinander ins Gespräch und unterstützt die Entwicklung konkreter Projekte vor Ort.
Beispiele auch aus Oberfranken
Nach der Begrüßung durch Sandra Wolf, Projektleiterin des TrafO, und einem Grußwort des Ersten Bürgermeisters Michael Wunder kamen drei Fachleute zu Wort. Fabian Müller, Geschäftsführer des Tiny-House-Kompetenzzentrums Vilcomo, erklärte, welche baurechtlichen Möglichkeiten Gemeinden und Grundstücksbesitzer haben. Entscheidend sei: Ein Tiny House gilt als Gebäude, für dauerhaftes Wohnen braucht es eine Baugenehmigung. Wie das gelingen kann, zeigte er an Projekten in Singen und Heidelberg. Christian Klerner, Mitgründer von tinyon, der selbst in einem 42 Quadratmeter großen Tiny House in Kronach lebt, beschrieb, wer solche Häuser sucht. Es seien keine Aussteiger, sondern oft Alleinlebende; in einer Auswertung aus Schleswig-Holstein war mehr als die Hälfte über 50. Ihr größtes Hindernis sei meist das Grundstück: Gesucht seien kleine Flächen, Baulücken und Restflächen. Wie das im Alltag aussehen kann, zeigte Wolfgang Schmitt, Geschäftsführer der Tiny House Village GmbH, am Beispiel von Mehlmeisel im Fichtelgebirge. Das 2017 in Zusammenarbeit mit der Gemeinde gegründete „Dorf im Dorf“ entstand auf einem ehemaligen Campingplatzgelände, dem Leerstand drohte. Heute leben dort 21 Menschen zwischen zehn und 67 Jahren in 23 Tiny Houses, die Plätze sind verpachtet, die Häuser gehören den Bewohnern. Gemeinden riet er, früh das Gespräch mit dem Bauordnungsamt zu suchen und ein Modellprojekt zu wagen. In einer Arbeitsphase tauschten sich Kommunen und Grundstückseigentümer sowie interessierte Privatpersonen und künftige Tiny-House-Bewohner in getrennten Gruppen aus; eine Begehung möglicher Grundstücke schloss die Veranstaltung ab. In den kommenden Monaten wird das TrafO weitere Themen der Wohnraum- und Flächenentwicklung, der Daseinsvorsorge und des sozialen Miteinanders in Workshops, Fachveranstaltungen und Exkursionen aufgreifen.