Workshop "Medizinische Versorgung": Neue Impulse für Kommunen in Oberfranken

Workshop "Medizinische Versorgung": Neue Impulse für Kommunen in Oberfranken

Wie können Städte und Gemeinden dazu beitragen, dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum auch in Zukunft gesichert bleibt? Mit dieser Frage beschäftigten sich Vertreterinnen und Vertreter oberfränkischer Kommunen bei einem Workshop von Oberfranken Offensiv im Landratsamt Bamberg. Im Rahmen des Projekts „TrafO – Zentrum für Transformation und Change-Management Oberfranken“ wurden dabei bewusst Lösungen vorgestellt, die andernorts bereits erfolgreich umgesetzt werden – und die auch für Kommunen in Oberfranken interessante Ansätze bieten können. 

Die medizinische Versorgung gehört zu den zentralen Zukunftsthemen vieler oberfränkischer Städte und Gemeinden. Gerade kleinere Kommunen stehen vor der Frage, wie Hausarztpraxen erhalten, Nachfolgerinnen und Nachfolger gewonnen und gleichzeitig neue Formen der medizinischen Versorgung genutzt werden können. Bereits beim Auftakttreffen der 37 TrafO-Modellkommunen im Februar war die medizinische Versorgung deshalb als eines der wichtigen Handlungsfelder identifiziert worden.

Der Workshop in Bamberg setzte genau hier an. Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß von Oberfranken Offensiv und einem Grußwort des Bamberger Landrats Johannes Maciejonczyk standen vier konkrete Praxisbeispiele im Mittelpunkt. 

Praxisbeispiele für die medizinische Versorgung von morgen 

Dr. Wolfgang Blank von den LandArztMachern zeigte, wie junge Medizinerinnen und Mediziner für eine Tätigkeit als Landarzt begeistert und auf dem Weg in eine eigene Praxis begleitet werden können. Angehende Ärztinnen und Ärzte sollen frühzeitig mit dem ländlichen Raum in Kontakt kommen und erfahren, welche beruflichen und persönlichen Perspektiven sich ihnen dort bieten. 

Einen anderen Weg geht die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz mit ihrer mobilen Arztpraxis. Dr. Peter Bunders und Suvetha Piraisoody stellten das Modell vor. Die mobile Praxis bringt medizinische Angebote dorthin, wo sie benötigt werden, und zeigt damit, wie bestehende Versorgungsstrukturen durch neue, flexible Ange-bote ergänzt werden können. 

Wie Kommunen und Regionen selbst bei der Gewinnung von Ärztinnen und Ärzten aktiv werden können, verdeutlichte Laura Humbla von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Soest. Die dortige Initiative „Arztlotse“ begleitet Ärztinnen und Ärzte bei Weiterbildung und Niederlassung, unterstützt bestehende Praxen bei der Nachfolgesuche und berät gleichzeitig Kommunen bei ihren Handlungsmöglichkeiten. Seit dem Projektstart wurden nach Angaben der Wirtschaftsförderung im Kreis Soest bereits 49 Ärztinnen und Ärzte erfolgreich begleitet. Die Initiative unterstützt Kommunen dabei unter anderem mit Strukturanalysen, Beratung zu kommunalen Handlungsoptionen und bei der Umsetzung. 

Dass innovative Ansätze für die Gesundheitsversorgung längst auch in Oberfranken entwickelt und erprobt werden, zeigte Matthias Fischer, Projektleiter bei Oberfranken Offensiv, anhand des Digitalen Gesundheits-Netzwerks Oberfranken (DGNO). Ziel des Projekts ist es, die Gesundheitsversorgung durch digitale Anwendungen zu verbessern, Apotheken als Gesundheitsstandorte zu stärken und Ärzte, Kliniken, Apotheken, Pflege und weitere Akteure stärker digital miteinander zu vernetzen. Zu den Ansätzen gehören unter anderem Videosprechstunden und Telekonsile, Telepharmazie sowie neue Lösungen für den Transport von Medikamenten, Laborproben oder Blutkonserven. 

Nach den Fachvorträgen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, die vorgestellten Modelle gemeinsam zu diskutieren und auf die Situation in den eigenen Kommunen zu übertragen. 

Von guten Beispielen für Oberfranken lernen 

Hinter dem Workshop steht ein zentraler Gedanke des TrafO-Projekts: Kommunen sollen bei ihren Herausforderungen nicht allein gelassen werden und von Lösungen profitieren können, die andernorts bereits funktionieren. 

Frank Ebert, Geschäftsführer von Oberfranken Offensiv: „Viele unserer Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Gerade bei der medizinischen Versorgung gibt es aber keine einfache Standardlösung, die überall gleichermaßen funktioniert. Deshalb wollen wir zeigen, welche guten Ansätze es bereits gibt, die Verantwortlichen miteinander vernetzen und gemeinsam schauen, was davon auf unsere Kommunen übertragbar ist. Wir müssen nicht überall das Rad neu erfinden.“

Mit dem Workshop wurde eines der zentralen Themen aus dem Auftakt der TrafO-Modellkommunen im Februar gezielt vertieft. In weiteren Workshops, Fachveranstaltungen und Exkursionen wird TrafO auch die Herausforderungen der Kommunen zu den Themen Daseinsvorsorge, Soziales Miteinander & Teilhabe, sowie Wohnraum- und Flächenentwicklung aufgreifen, sie miteinander und mit Fachleuten ins Gespräch bringen und die Entwicklung konkreter Projekte vor Ort unterstützen. 

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